Konferenzdokumentation

Nach einem fast zehnmonatigen Vorbereitungsprozess mit vier Landesfachtagen, 26 Symposien und Fachgesprächen sowie etwa 40 Jugendworkshops kamen am Mittwoch, den 22. November 2017 rund 250 Teilnehmer und Teilnehmerinnen aus der ganzen Bundesrepublik in der Berliner Parochialkirche zusammen. Mit geballtem Know-how diskutierten sie bestehende Programme und Kontroversen und konnten zum Schluss Kooperationen in den Bereichen Arbeitsmarkt, Bildung, Antidiskriminierung, Soziale Lage/Wohnsituation, Kultur, Bleiberecht, Migration und internationale Projekte verabreden.

Welche Kooperationsvorhaben als sinnvolle Ergänzung für die zukünftige Arbeit in den verschiedenen Gesellschaftsfeldern entwickelt wurden, können Sie hier nachlesen.

Parallel arbeiteten rund 50 Jugendliche aus Dortmund, Hamburg, Hannover, Solingen und Wuppertal in zwei verschiedenen Kreativworkshops. Mit künstlerischen Mitteln setzten sie sich mit Stereotypen, Rassismus und Mehrfachdiskriminierung auseinander, analysierten reale Diskriminierungserfahrungen und entwickelten mögliche Reaktionen darauf.

Dr. Katarina Barley, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend eröffnet die Konferenz (Foto: Marko Priske)

Abschließend verlasen Schüler und Schülerinnen aus Hamburg die vom Bündnis gemeinsam mit den Aktiven aus den Ländern entwickelten Handlungsempfehlungen zur Überwindung des Antiziganismus und zur Förderung der Gleichstellung von Roma und Sinti in Deutschland. Diese sollen einer neu gebildeten Bundesregierung zum Start der Legislaturperiode mit auf den Weg gegeben werden.

Auf der Basis unserer Arbeitsergebnisse fordern wir:

> die Bildung eines Expertenkreises »Antiziganismus«, Maßnahmen zur Überwindung des institutionellen Antiziganismus und die Anerkennung von Antiziganismus als Asylgrund,

> die Bereitstellung eines Fonds für die Qualifizierung und Beschäftigung von Roma und Sinti im Bildungsbereich,

> die Bereitstellung ausreichender Mittel für die Kommunen und die politische Unterstützung der Integration von Eingewanderten mit Romno-Hintergrund auf allen Ebenen.

Kreativworkshop mit Jugendlichen aus Hamburg und Dortmund (Foto: Marko Priske)

Die Forderungen der Abschlusserklärung waren auch Ausgangspunkt der Abendveranstaltung, wobei die Anerkennung von Antiziganismus als Asylgrund, bzw. die Frage des Bleiberechts für aus ihrer Heimat geflohene Roma schnell zum zentralen Thema der Diskussion wurde. Es wurde festgehalten, dass Roma, die aus den Ländern des Westbalkans nach Deutschland fliehen, aufgrund ihrer Zugehörigkeit zur Roma-Minderheit individuell sowie institutionell verfolgt und benachteiligt werden. Die einzelnen Staaten sind nicht in der Lage, Roma vor der Verfolgung und lebensbedrohlichen Diskriminierung (in Form von fehlendem Zugang zu grundlegenden Infrastrukturen oder zur Gesundheitsversorgung etc.) zu schützen. Aufgrund ihrer historischen Verantwortung sollte die Bundesrepublik Deutschland daher verpflichtet sein, auf den Schutz von bedrohten Roma in anderen europäischen Ländern besser zu achten und die gruppenspezifische Verfolgung als Asylgrund anerkennen.

Der ereignisreiche Tag fand einen gebührenden Abschied mit einem von Kefeat Prizreni präsentierten Rapp-Konzert jugendlicher Teilnehmer aus Hamburg und Dortmund. Hierfür hatten sie vorab gemeinsam mit Robert Andjelkovic aka Drob Dynamic einen Song produziert.

Abschlussdiskussion mit Hamze Bytyci, Serap Güler, Maria-Luise Löper, Daniel Strauß und Gün Tank (Moderation), Foto: Marko Priske

Konferenzdokumentation

Kurzinterviews

Grußworte

Der Kampf gegen Vorurteile und Ressentiments ist nicht einfach. Und er ist nicht schnell gewonnen. Wir brauchen gute Ideen und tatkräftige Unterstützung, wenn wir bestehende Diskriminierungen von Sinti und Roma beenden wollen. Sei es beim Zugang zu Bildung, zu Wohnungen oder dem Arbeitsmarkt. Und wir müssen darüber sprechen, dass das Leben der Roma in Deutschland eine Bereicherung für unsere Kultur darstellt. Die Initiatoren von 'Every Day is Romaday!' leisten hierzu einen wichtigen Beitrag.“ (Dr. Katharina Barley, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend)

 

„Ich habe jedoch nicht den Eindruck, dass wir genug tun. Ich vermisse in der öffentlichen Debatte vor allem die Vorbilder, die Mut machenden Beispiele, dass Roma in der Mitte unserer Gesellschaft angekommen sind. Ja, es gibt sie, die talentierten, gut ausgebildeten, erfolgreichen Repräsentantinnen und Repräsentanten einer Generation von jungen, engagierten, selbstbewussten Roma. Reden wir über sie. Reden wir mit ihnen.“  (Michael Roth MdB, Staatsminister für Europa im Auswärtigen Amt)

 

„Wir beobachten mit Sorge einen wachsenden Antiziganismus beziehungsweise eine insgesamt wachsende Bereitschaft zum extremistischen Denken und wir sind alle dazu aufgerufen dem entgegen zu wirken.“ (Hans-Georg Engelke, Staatssekretär im Bundesministerium des Innern)

 

Wir Sinti und Roma sind in diesem Land nicht eine separate Gruppe sondern Teil des demokratischen Rechtsstaats und wir sind Teil derer, die diesen demokratischen Rechtsstaat aufgrund ihrer Geschichte verteidigen wollen.“ (Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma)

 

„Es ist wichtig, dass die gleichberechtigte Teilhabe für die nationale, aber auch für die allochthone Minderheit möglich ist.“ (Daniel Strauß, Bundesarbeitsgemeinschaft RomnoKher)

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